Vertrau auf deinen Gott – Lieder und Psalmen als Vormacher zum Nachahmen

So stand dieser Satz auf einer Tafel im Treppenhaus meiner Eltern. Ob ein Gast oder ein Familienmitglied ihn da hinterlassen hatte, war nicht mehr herauszufinden. Mit jedem Mal, wo ich an ihm vorbeilief, heftete er sich fester an mich dran.

„Sei still, mein Herz, sei still, und vertrau auf deinen Gott.“

Das klang so für-sorgend für das eigene Herz. Tröstend. Angenehm beharrlich. Und ungeheuer ermutigend.
„Ist das ein Lied?“ fragte ich mich. Es klingt so vertraut. Oder ist es nicht doch ein Bibelvers?“ In Psalm 62,6 entdeckte ich, woran mich dieser Satz erinnerte: Nur auf Gott vertraue still meine Seele, denn von ihm kommt meine Hoffnung.

Ich liebe diese Aufforderungen für Herz und Seele in den Psalmen.
Wie oft gibt es da das „Lobe den Herrn meine Seele! Mach dich auf! Vergiss nicht! Komm schon.“
Und dann eben auch das: „Jetzt sei mal still, meine Seele! Sei nicht unruhig. Vertrau. Du wirst schon noch sehen…“

Der Psalmschreiber war scheinbar ein ausgezeichneter Herzens-Kenner und Seel-Sorger. Und ich bin ausgesprochen dankbar für dieses sehr konkrete Vormachen, wie man mit einem unruhigen, sorgenvollen oder trägen Herzen umgehen kann:

Zunächst einmal wird der Seelenzustand nicht geleugnet. Auf erfrischend ehrliche Weise wird das ­direkte Gespräch mit der eigenen Seele gesucht. Da gibt es kein Beschönigen oder billiges Vertrösten und Kopftätscheln. Sondern eher ein freundlich zugewandtes  „Ich weiß, so geht‘s dir…“ Und siehe da: auch Davids Herz war unruhig.

Aber das Wahr-sein-Lassen des eigenen Seelen-Zustandes ist noch nicht alles. Der Psalmist zerfließt nicht im eigenen Welt- und Seelen-Schmerz und den überwältigenden Gefühlen der Sorge und Unruhe. Das Anerkennen des Ist-Zustandes ist nur der Anfang. Denn dann wird die Seele freundlich-bestimmt und fürsorglich an die Hand genommen. So als würde man ihr sagen: „Schau mal, da geht‘s lang. Sieh dort hin. Da geht‘s weiter. Das, was du jetzt fühlst, ist nicht das Letzte. Du kannst wieder ganz still sein. Vertrau. Auf deinen Gott. Du kennst ihn doch.
Es ist so, als hilft man seiner Seele wieder, allem den rechten Platz zuzuweisen. Der Unruhe, der Angst und auch dem Vertrauen und dem Lob.
Gerade in Liedern finde ich diese Art der Seelsorge oft hilfreich, weil sie nüchtern und freundlich direkt beim eigenen Herz ansetzt und zum Blickwechsel einlädt.

So suchte ich weiter, ob diese Zeile nicht doch einem Lied entnommen war. Und eines Tages entdeckte ich im neuen Feiert Jesus 5-Liederbuch das Lied zum Vers. Inzwischen hatte ich schon einige eigene Vertonungs-Versuche gemacht und musste mich nun neu auf die Gedanken des „richtigen“ Liedes einlassen. Aber mit der Zeit ist es mir zum Freund geworden. Mit seinem schlichten Refrain, der einfach bei diesem leisen und kraftvollen Satz bleibt: „Sei still, mein Herz, sei still und vertrau auf deinen Gott.“

Und mit den Versen, die zwar etwas dramatisch anmuten, aber im Zwiegespräch mit der eigenen Seele schon mal nötig sein können.

In der OJC treffen wir uns jede Woche morgens in kleinen Gruppen zum Austausch über das, was uns in der morgendlichen Stillen Zeit bewegt. Den jungen Frauen unserer Jahresmannschaft habe ich dieses Lied mitgebracht und es ist unser Dienstags-­Austausch-Lied geworden.
Sehr gut zu singen, wenn man müde und von Unlust geplagt ist. Wenn der Bibeltext am Morgen an einem abgeperlt ist. Wenn die Gefühle so vieles sagen, aber nicht, dass Gott da ist. Wenn es gut ist, das eigene, unruhige Herz an die Hand zu nehmen und ihm zu sagen: Da geht‘s lang. Sei still, mein Herz, sei still. Und vertrau. Auf deinen Gott.

 

Sei still, mein Herz, sei still und vertrau auf deinen Gott.

  1. der deine Wunden kennt,

sie verbindet und heilt,

der deine Monster zähmt und

sie für dich vertreibt,

der für dich tausend Tode stirbt und

auch den letzten besiegt.

Wenn dich der Mut verlässt,

hört er dein leises Gebet.

  1. der dich nach Hause bringt,

wenn du verloren bist,
dein Ausweg und Notausgang am Ende des Wegs,

der dich auf die Schultern nimmt,

wenn es nicht weitergeht,

wenn dich die Kraft verlässt,

auf dem letzten Stück trägt.

Text u. Melodie: Mitch Schlüter

© Sound’n Scripture GmbH. BMG Rights Management GmbH. Used by permission of Hal Leonard Europe Limited.
Brennpunkt-Seelsorge 2 / 2019: Nimm deinen Platz ein – Vorbilder in der Nachfolge
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