Im Letzten und Vorletzten – Sein wie Christus selbst

Dietrich Bonhoeffer –

Der Inhalt der christlichen Botschaft ist nicht, zu werden wie eine jener biblischen Gestalten, sondern zu sein – wie Christus selbst. Dazu aber führt keine Methode, sondern der Glaube allein. Anders verlöre das Evangelium seinen Preis, ­seinen Wert. Die teure Gnade würde billig. …
Es gibt eine Zeit des Zulassens, Wartens, Vor­bereitens Gottes und es gibt eine letzte Zeit, die das Vorletzte richtet und abbricht.

Luther musste durch das Kloster, Paulus musste durch die Gesetzesfrömmigkeit, ja der Schächer „musste“ durch Schuld ans Kreuz, um das letzte Wort zu hören. Es musste ein Weg gegangen sein, es musste die ganze Länge des Weges der vorletzten Dinge durchschritten sein, es musste ein jeder unter der Last dieser Dinge auf die Knie sinken – und doch war dann das letzte Wort nicht die Krönung, sondern der vollständige Abbruch des Vorletzten.

Angesichts des letzten Wortes standen ­Luther und Paulus nicht anders da als der Schächer am Kreuz. Es muss also ein Weg beschritten werden, obwohl es doch keinen Weg zu diesem Ziel gibt, und dieser Weg muss bis zu Ende gegangen werden, das heißt bis dorthin, wo Gott ihm sein Ende setzt. Das Vorletzte bleibt also bestehen, obwohl es durch das Letzte gänzlich aufgehoben und ­außer Kraft gesetzt wird.

Aus: Ethik, DBW Band 6, Seite 141f

Bild:©Martin Sattler / unsplash
Brennpunkt-Seelsorge 2 / 2020: Na endlich! Vom Ziel her leben!
Magazin bestellen oder PDF downloaden
Vorheriger Beitrag
Kannst du loslassen? – Wenn die Familienzeit zu Ende geht
Nächster Beitrag
Gott wird für Ausgleich sorgen – Hoffnung auf Gerechtigkeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

Weitere Artikel zum Thema

Archiv